Bewerbergeschichte des Monats August

Neulich beim Vorstellungsgespräch:

 

Mein Klient war wirklich sehr gut vorbereitet. Ihm gegenüber saßen drei Herren, zwei von der Geschäftsführung und der Personalchef. Es ging um die Stelle als Team-Projektleiter. Verantwortung für bis zu 12 Mitarbeiter. Die Fragen der Chefs konnte mein Klient super beantworten, auf alles hatte er eine passende Idee, eine gekonnte Erklärung oder ein wenig Humor parat.

Chef: „Warum sollen wir uns gerade für Sie entscheiden?“
Klient: „Nun, ich habe schon bewiesen, dass ich für diese Stelle geeignet bin. Bei meiner vorherigen Station beispielsweise musste ich viel Führung übernehmen. Dies habe ich immer mit sehr viel Empathie und einer guten Kommunikation gemeistert. Meine soziale Kompetenz und ein offenes Ohr für meine Mitarbeiter tragen ebenso dazu bei.“
Chef: „Wie gehen Sie mit einem schwierigen Kollegen um?“
Klient: „Auch hier hilft mir meine gute Redegewandtheit, aber selbstverständlich würde ich mich erstmal für seine Belange interessieren und dann darauf eingehen.“

Diese Antwort war dem Chef eindeutig zu wenig. Also fragte er nochmals nach.
Chef: „Aber wenn Sie einen schwierigen, unkollegialen Kollegen hätten, wie würden Sie auf den reagieren?“
Klient: „Tja, wenn gar nichts mehr hilft, dann gehe ich selbstverständlich zum nächsten Vorgesetzten.“

Auch diese Antwort schien dem Chef nicht zu gefallen. Also ein drittes Mal.
Chef: „Nur mal angenommen, ein Kollege würde extreme Schwierigkeiten machen, was tun Sie dann?“
Klient: (nun schon deutlich nervöser) „Ich würde versuchen mit ihm zu sprechen, damit man diese Schwierigkeiten aus der Welt schaffen kann.“
Chef: „Aber wenn das nicht hilft, einfach nur reden?“
Klient: (noch nervöser – mittlerweile mit schweißnassen Händen) „Dann würde ich zu meinem Chef gehen.“

Damit lies der Chef die Fragerei und wechselte das Thema, was meinem Klienten sichtlich Sicherheit gab. Das Vorstellungsgespräch endete nach knapp 60 Minuten. Beim Verlassen des Gebäudes hatte mein Klient ein gutes Gefühl.
Drei Wochen später kam die Absage, mit der Begründung, dass mein Klient über zu wenig Durchsetzungsvermögen verfüge.

Nach einigen Recherchen meinerseits kam heraus, dass sich exakt in dieser Abteilung ein langjähriger Mitarbeiter befindet, den man gerne loswerden möchte. Jedoch eine hohe Abfindung (mindestens fünfstellig) wollte man nicht bezahlen. Also suchte man nach einem Dummen, der das dann für die Firma erledigt.

Zum Glück hatte man meinem Klienten abgesagt.  

Bewerbergeschichte des Monats Juli

E-Mail einer Klientin:

007 statt 08/15, so sollte meine Bewerbung sein. Ich dachte nach, was brauche ich dafür? Welche Schritte waren nötig und wie sieht der "AH-Effekt" aus? Der Personaler sollte förmlich an meiner Bewerbung kleben bleiben, ich wollte, dass er nur noch meine Unterlagen im Kopf hat.

Also, wie vorgehen, das war die große Frage?
Als erstes besorge ich mir gutes Papier und eine Bewerbungsmappe in Rot. Aber halt, da war doch noch etwas. Wie sagte der Bewerbungsspezialist noch, den ich vor ein paar Wochen kontaktiert hatte: "Ruf vorher an!"

Stimmt, das sollte ich tun. 

Ich griff zum Telefon, wählte die Nummer meiner Wunschfirma... und besetzt! Also nochmal, Nummer wählen! Die Pulsadern pochten, so dass man es fast hören konnte. Die Nervosität stieg ins unermessliche. Es klingelt! Einmal..., zweimal..., dreimal..., viermal..., "Armin Reutershahn" meldet sich eine tiefe Stimme! Mir fiel fast der Hörer aus der Hand. "Ich rufe an wegen der ausgeschriebenen Stelle als Marketingfachfrau" 
"Welche Stelle denn?"
"Na, die, die gestern in der Zeitung erschienen ist" stammelte ich
"Ich habe aber keine Stelle in der Zeitung" sagt eine ruhige Stimme am anderen Ende
"Aber hier steht doch, dass man Sie vorher anrufen kann, und dass die Stelle sofort zu besetzten ist" sagte ich jetzt noch aufgeregter.
"Aber mein Kind, ich bin 77 Jahre alt, ich brauche kein Marketing mehr"

Da merkte ich, dass ich mich verwählt hatte! Peinlich!

Von erfolgreichen Bewerbern lernen

Das Anschreiben für Bewerber 50Plus sollte vor allem die Stärken des Bewerbers hervorheben. Sehen Sie anbei den Text für ein erfolgreiches Anschreiben einer meiner Bewerberinnen die sich auf eine Stelle im Verkauf bei einem Küchen- und Wohnaccessoires Fachgeschäft beworben hat.

„Verstärkung im Verkauf gesucht“

 Sehr geehrte Familie Schöntahler,

Sie suchen für Ihr Team eine Verstärkung im Verkauf? Dann haben Sie diese nun gefunden, nämlich mich. Ich möchte mich Ihnen kurz vorstellen:

Erste Erfahrungen im Verkauf habe ich bereits gesammelt, und auf Menschen zugehen, diese beraten und überzeugen, das liegt mir besonders. Den Spaß am Kochen und Backen bringe ich ebenso mit. Denn nur wer aus der eigenen Perspektive erzählen kann, welche Produkte man benötigt um ein gutes Essen zuzubereiten, kann engagiert verkaufen.

Durch meine bisherigen beruflichen Stationen bringe ich jede Menge Wissen und eine gesunde Menschenkenntnis mit. Davon können Sie nun profitieren. Darüber hinaus bin ich besonders kommunikativ und habe das Herz am rechten Fleck, kann gut zuhören und weiß immer einen Rat.

Und trotz meines fortgeschrittenen Alters, oder auch gerade deswegen, behalte ich auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf und versuche durch gute Ideen eine Lösung herbeizuführen. Alles in Allem bin ich auch als Quereinsteiger eine sehr gute Unterstützung für Ihr Team.

Konnte ich Sie neugierig machen? Neugierig auf Ihre neue Mitarbeiterin im Verkauf? Dann freue ich mich darauf von Ihnen bald zu hören. Gerne komme ich auch zu Probearbeiten vorbei.

Mit freundlichen Grüßen

 

Bewerbergeschichte des Monats Juni

Wenn man sich im Irrenhaus bewirbt!

Heute erzähle ich eine Bewerbergeschichte aus meinem eigenen Leben die ich vor einigen Jahren so erlebt habe.

Ich hatte mich bei einem Unternehmen als Außendienstmitarbeiter beworben.  Die Chance den Job zu bekommen war groß,  ich wurde zu einem ersten Gespräch eingeladen. Die Tätigkeit klang äußerst vielversprechend und ich hatte mich gut vorbereitet.

Die Firma, ein Großhandel, wurde von zwei Brüdern geleitet und diese beiden Herren empfingen mich auch in ihrem Büro. Das Gespräch nahm einen etwas seltsamen Verlauf, denn die beiden Brüder fragten mich unterschiedliche Dinge, die überhaupt nichts miteinander zu tun hatten. Es schien so, als wären sich die Herren nicht einig, was die Personalauswahl betraf. Zuerst dachte ich, dass ist wohl immer so, und hat es steckt eine gewisse Strategie dahinter.

Das Gespräch nahm allerdings immer skurrilere Formen an. Es gipfelte darin, dass die beiden Herren anfingen zu streiten. Ich saß einfach nur noch so dabei. Nach dem sich alles wieder etwas beruhigt hatte, übrigens auch durch mein gutes Zureden, verabschiedeten wir uns. Einer der Brüder meinte: „Wir werden uns bei Ihnen melden!“

Der Anruf der Firma kam knapp 10 Monate (!!) später. Man wollte mich zu einem zweiten Gespräch einladen. „Es gibt noch einiges zu besprechen, und wir möchten Sie gerne einstellen.“

Zu diesem Gespräch bin ich dann nicht mehr erschienen. Ich sagte der Firma ab. Wie ich später erfuhr, hatten sich die beiden Brüder so zerstritten, dass es im ganzen Unternehmen mittlerweile zwei verschiedene Lager gab. Beinahe hätte ich in einem Irrenhaus begonnen.

Mitarbeiter 50Plus sind gefragter denn je!

Der Fach- und Führungskräftemangel wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen, dies befürchten viele Personaler die ich in den letzten Wochen befragt habe. Zum gleichen Ergebnis kommt die Bonner Wirtschaftsakademie die bei 100 Personalentwicklern nachgefragt hatte. 

Bleibt die Frage, wie sich diesem Umstand entgegenwirken lässt. 
Und nun kommt die Generation 50Plus ins Spiel. Eine bessere Bindung dieser Mitarbeiter ist hierzu Grundvoraussetzung. Nur so kann man die Ressourcen der älteren Mitarbeiter nutzen wie z.B. Verantwortungsbereitschaft, große Planungssicherheit durch eine abgeschlossene Familienplanung, großes und langjähriges Know-How, einen riesigen Erfahrungsschatz und Führungserfahrung. 

Doch wie bindet man diese wertvollen Mitarbeiter an das Unternehmen? Leider sind die deutschen Firmen noch sehr unkreativ bei der  Mitarbeiterbindung. Diese stellt eine große Herausforderung dar, so die Meinung der Personalentwickler. 

Dabei kann das so einfach sein. Weiterbildungsmöglichkeiten, flexible Arbeitszeitmodelle, Wertschätzung und berufliche Anerkennung, spezielle Vergütungsmodelle, Förderung des Work-Life-Balance, E-Bike Leasing, frisches Obst und kostenfreie Getränke oder Mentorenprogramme für jüngere Mitarbeiter sind nur einige wenige Dinge, die zu einer Mitarbeiterbindung beitragen. 

Wenn man die Kosten für solch ein Programm gegenrechnet, mit dem Verbleib dieser erfahrenen Mitarbeiter so rechnet sich das allemal. Man muss es als Unternehmen nur tun.