Bewerbergeschichte des Monats September

Vorbereitung ist das halbe Leben

Wer sich auf ein Vorstellungsgespräch nicht vorbereitet, den trifft es anschließend wie einen Dampfhammer. Das gilt übrigens für beide Seiten, wie die folgende Geschichte erzählt.

Mein Klient hatte sich auf eine Stelle als Gebietsverkaufsleiter bei einem Lebensmittelkonzern beworben. Nach ungefähr zwei Wochen kam die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Geladen hatte die Personalreferentin. Beim Gespräch selbst sollte auch noch die Personalleiterin sein.

Das Gespräch stand bereits zu Beginn unter einem schlechten Stern, es begann mit zehn minütiger Verspätung, allerdings war die Personalchefin noch nicht da, was der Referentin sichtlich unangenehm erschien. Die Chefin selbst kam nach weiteren fünf Minuten ziemlich abgehetzt in den Raum, knallte die Unterlagen auf den Tisch mit den Worten: "Na dann wollen wir mal sehen, wen wir hier haben" 

Sie studierte die Unterlagen während des Gespräches und versuchte Fragen zum Lebenslauf zu stellen. Allerdings hatten diese teilweise oder überhaupt nichts mit den Tätigkeiten meines Klienten zu tun, oder hatten keinen Zusammenhang. "Ich sehe gerade, Sie waren noch nie in der Lebensmittelbranche? Warum haben Sie sich denn bei uns beworben?"

Hätte die Personalchefin auf die zweite Seite des Lebenslaufs geschaut, wäre ihr aufgefallen, dass mein Klient viele Jahre als Zulieferer im Lebensmitteleinzelhandel tätig war, diese Tatsache war ihr entgangen. Nach weiteren etwas skurrilen Fragen, die sehr verwirrend für meinen Klienten waren kam zum Schluss die Krönung seitens der Personalchefin: "Also, ich muss schon sagen, Sie haben ja gar keine Erfahrungen in diesem Bereich, warum haben wir Sie überhaupt eingeladen? Jetzt haben Sie mir tatsächlich eine gute halbe Stunde wertvoller Zeit gestohlen, wo ich doch noch so viel zu tun habe!"

Auf dem Weg zum Traumjob

Viele Menschen, die derzeit bei mir in der Beratung sind stellen sich die Frage, was ist eigentlich mein Traumjob. Wichtig bei der Berufswahl ist es, konkret zu werden. Denn nur wer genau benennen kann, was er tun möchte, wo er das tun möchte, und wie er diese Tätigkeit ausübt, ist auf dem richtigen Weg zu Traumberuf.

Stellen Sie sich bitte einmal folgende Fragen:

1. Wann waren/sind Sie richtig stolz auf sich?
2. Was ist Ihre Berufung?
3. Welche Vorbilder prägten Ihr Leben?
4. Was sagen andere über Sie?
5. Wenn Sie das Rad der (beruflichen) Zeit zurückdrehen könnten, was würden Sie (anders) tun?
6. Wann war die schönste Zeit Ihres (Berufs-) Lebens?

Wenn Sie diese Fragen beantworten können, sind Sie schon einen ganzen Schritt weiter, wenn es um Ihren Traumberuf geht.

Die eigene Stellenanzeige - Wie finde ich meinen Traumjob

Immer wieder werde ich in meinen Beratungen von den Klienten gefragt, wie man denn seinen Traumberuf findet. Hierfür gibt es mehrere schöne Übungen. Über eine davon habe ich vor wenigen Wochen in meinem Blog berichtet. Bauen Sie sich Ihre Wunschfirma.
Eine weitere Übung könnte Ihnen ebenso helfen. Schreiben Sie Ihre eigene Stellenanzeige. Stellen Sie sich einfach folgende Fragen:

  • Welche Art von Tätigkeit passt zu mir?
  • Welche Wünsche und Vorstellungen habe ich?
  • Was für Voraussetzungen sollten gegeben sein?
  • Wo soll das Unternehmen sein?
  • Was für ein Unternehmen soll es überhaupt sein?

Beantworten Sie sich diese Fragen und formulieren dann Ihre eigene Stellenanzeige. Diese könnte dann zum Beispiel so aussehen:

Bewerbergeschichte des Monats August

Neulich beim Vorstellungsgespräch:

 

Mein Klient war wirklich sehr gut vorbereitet. Ihm gegenüber saßen drei Herren, zwei von der Geschäftsführung und der Personalchef. Es ging um die Stelle als Team-Projektleiter. Verantwortung für bis zu 12 Mitarbeiter. Die Fragen der Chefs konnte mein Klient super beantworten, auf alles hatte er eine passende Idee, eine gekonnte Erklärung oder ein wenig Humor parat.

Chef: „Warum sollen wir uns gerade für Sie entscheiden?“
Klient: „Nun, ich habe schon bewiesen, dass ich für diese Stelle geeignet bin. Bei meiner vorherigen Station beispielsweise musste ich viel Führung übernehmen. Dies habe ich immer mit sehr viel Empathie und einer guten Kommunikation gemeistert. Meine soziale Kompetenz und ein offenes Ohr für meine Mitarbeiter tragen ebenso dazu bei.“
Chef: „Wie gehen Sie mit einem schwierigen Kollegen um?“
Klient: „Auch hier hilft mir meine gute Redegewandtheit, aber selbstverständlich würde ich mich erstmal für seine Belange interessieren und dann darauf eingehen.“

Diese Antwort war dem Chef eindeutig zu wenig. Also fragte er nochmals nach.
Chef: „Aber wenn Sie einen schwierigen, unkollegialen Kollegen hätten, wie würden Sie auf den reagieren?“
Klient: „Tja, wenn gar nichts mehr hilft, dann gehe ich selbstverständlich zum nächsten Vorgesetzten.“

Auch diese Antwort schien dem Chef nicht zu gefallen. Also ein drittes Mal.
Chef: „Nur mal angenommen, ein Kollege würde extreme Schwierigkeiten machen, was tun Sie dann?“
Klient: (nun schon deutlich nervöser) „Ich würde versuchen mit ihm zu sprechen, damit man diese Schwierigkeiten aus der Welt schaffen kann.“
Chef: „Aber wenn das nicht hilft, einfach nur reden?“
Klient: (noch nervöser – mittlerweile mit schweißnassen Händen) „Dann würde ich zu meinem Chef gehen.“

Damit lies der Chef die Fragerei und wechselte das Thema, was meinem Klienten sichtlich Sicherheit gab. Das Vorstellungsgespräch endete nach knapp 60 Minuten. Beim Verlassen des Gebäudes hatte mein Klient ein gutes Gefühl.
Drei Wochen später kam die Absage, mit der Begründung, dass mein Klient über zu wenig Durchsetzungsvermögen verfüge.

Nach einigen Recherchen meinerseits kam heraus, dass sich exakt in dieser Abteilung ein langjähriger Mitarbeiter befindet, den man gerne loswerden möchte. Jedoch eine hohe Abfindung (mindestens fünfstellig) wollte man nicht bezahlen. Also suchte man nach einem Dummen, der das dann für die Firma erledigt.

Zum Glück hatte man meinem Klienten abgesagt.  

Bewerbergeschichte des Monats Juli

E-Mail einer Klientin:

007 statt 08/15, so sollte meine Bewerbung sein. Ich dachte nach, was brauche ich dafür? Welche Schritte waren nötig und wie sieht der "AH-Effekt" aus? Der Personaler sollte förmlich an meiner Bewerbung kleben bleiben, ich wollte, dass er nur noch meine Unterlagen im Kopf hat.

Also, wie vorgehen, das war die große Frage?
Als erstes besorge ich mir gutes Papier und eine Bewerbungsmappe in Rot. Aber halt, da war doch noch etwas. Wie sagte der Bewerbungsspezialist noch, den ich vor ein paar Wochen kontaktiert hatte: "Ruf vorher an!"

Stimmt, das sollte ich tun. 

Ich griff zum Telefon, wählte die Nummer meiner Wunschfirma... und besetzt! Also nochmal, Nummer wählen! Die Pulsadern pochten, so dass man es fast hören konnte. Die Nervosität stieg ins unermessliche. Es klingelt! Einmal..., zweimal..., dreimal..., viermal..., "Armin Reutershahn" meldet sich eine tiefe Stimme! Mir fiel fast der Hörer aus der Hand. "Ich rufe an wegen der ausgeschriebenen Stelle als Marketingfachfrau" 
"Welche Stelle denn?"
"Na, die, die gestern in der Zeitung erschienen ist" stammelte ich
"Ich habe aber keine Stelle in der Zeitung" sagt eine ruhige Stimme am anderen Ende
"Aber hier steht doch, dass man Sie vorher anrufen kann, und dass die Stelle sofort zu besetzten ist" sagte ich jetzt noch aufgeregter.
"Aber mein Kind, ich bin 77 Jahre alt, ich brauche kein Marketing mehr"

Da merkte ich, dass ich mich verwählt hatte! Peinlich!